Fußball Remote: Der PLAZAMEDIA-Workshop

19.12.2017

Remoteproduktionen - seit geraumer Zeit ein Thema, welches in der Branche kontrovers diskutiert wird und nach wie vor Fragen aufwirft: Was sind die Vorteile und Mehrwerte gegenüber der „klassischen“ Ü-Wagen- und Satelliten-basierten Übertragung? Ist mein Projekt für Remote geeignet? Gibt es Nachteile? Wird Remote den klassischen Produktionsweg ablösen? Diesen Fragen stellten sich die Experten der PLAZAMEDIA im Rahmen eines Workshops mit dem Titel „Synergien und Mehrwerte bei der Remote-Produktion eines Fußballspiels“, der im November 2017 auf dem Constantin Medien Gelände in Ismaning stattfand.

SPORT1-Moderatorin Ruth Hofmann führte die Teilnehmer aus namhaften Medienunternehmen mit Sportbezug durch die Veranstaltung. Zum Einstieg in das Thema wurden die technischen Grundlagen und Herausforderungen der IP-basierten Übertragungsart vermittelt. Am Beispiel des „CHECK 24 Doppelpasses“, den die PLAZAMEDIA seit über einem Jahr remote aus dem Hilton Munich Airport produziert, konnte demonstriert werden, dass Remoteproduktion nicht länger theoretisch diskutiertes Trendthema, sondern gelebte Realität ist. Technische Vorteile, wie optimierte Workflows, maximale Redundanz sowie ein geringer Gesamtaufwand am Produktionsort wurden vermittelt und bestehende Vorurteile ausgeräumt. So konnten sich die Teilnehmer durch eine über remotebasierte Technik umgesetzte Live-Zuschaltung aus dem UEFA Europa League Studio praxisnah davon überzeugen, dass es bei der Produktionsart zu keinen wahrnehmbaren Latenzzeiten kommt.

Der zweite Teil des Workshops thematisierte redaktionelle Vorteile. Anders als im Ü-Wagen möglich, laufen bei Remoteproduktionen einzelne Signale im Sendezentrum auf. Dies kann die Breite des gewonnenen Contents erheblich vergrößern und neue Möglichkeiten zur Verwertung zusätzlicher Inhalte eröffnen. Die sich wandelnden Nutzungsgewohnheiten lassen die Relevanz dieser Optionen stetig steigen. Vor allem die junge Zielgruppe erwartet mittlerweile zusätzliche Mehrwerte bei Sportübertragungen in Form von Second- oder sogar Thirdscreen-Angeboten. Im Ü-Wagen sind dieser redaktionellen Erweiterung des Seherlebnisses natürliche räumliche Grenzen gesetzt. So bedeutet zum Beispiel eine Social Media Integration hier einen erheblichen Mehraufwand, der sich durch die Anbindung der vorhandenen Technik im Sendezentrum vermeiden lässt.

Anhand des aufgezeichneten UEFA-Champions-League-Spiels des FC Bayern gegen Celtic Glasgow wurden den Teilnehmern Beispiele für mögliche Ergänzungen ihrer Angebote aufgezeigt. Praktisch veranschaulicht wurde dies durch einen Regisseur, der im Set auf einem weiteren Screen Highlightclips aus dem parallel zur Veranstaltung gezeigten Spiel schnitt. Diese können auf verschiedene Kanäle, zum Beispiel – wie live demonstriert – auf Social Media, ausgespielt werden. Als weiteres Beispiel diente die Weiterverwertung eines alternativen Kamerasignals, das die Reaktionen und Emotionen des Trainers während des Spiels festhält. Dieser zusätzliche Feed kann auf Secondscreen-Kanälen live während des Spiels oder im Anschluss interessierten Usern zugänglich gemacht werden.

Der letzte Programmpunkt auf der Agenda zeigte, dass diese Erweiterung des Angebots auch zusätzliche monetäre Vorteile bieten kann. Mögliche Erlöspotentiale aus erweiterten Vermarktungschancen wurden an einem konkreten Beispiel erörtert.

Fazit des Workshops, der mit einem Get-Together der Gäste mit den Referenten der PLAZAMEDIA endete: Remote wird die klassische Ü-Wagenproduktion in nächster Zeit nicht komplett ersetzen, bietet aber bei Projekten mit passenden Gegebenheiten und insbesondere bei Sportproduktionen große Potenziale.

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